Alte Zeiten
Gern tauch ich ein in alte Zeiten,
auch wenn ich weiß, es war nicht alles gut.
Es gab nicht Waschmaschine oder Kühlschrank,
und doch machte man einander Mut.
Wir spielten noch mit Stöcken und mit Kreisel,
streiften durch Wälder, bauten Buden gar,
panschten in Pfützen nach ’nem Sommerregen,
ach viel zu schnell verging so manches Jahr.
Wir kannten nicht Computer; Onlinespiele,
wir spielten Hopse oder auch Versteck.
Wir standen auf, wenn früh die Hähne krähten,
bei Sonnenuntergang ging es ins Bett.
Mit Vater saß ich abends auf der Banke
und hörte gerne seinen Märchen zu.
Gemeinsam streiften wir dann durch die Wälder
und waren mit den Tieren dort, per du.
Wir freuten uns an jedem Vogelzwitschern,
wir wussten; wo das Rehlein sprang.
Wir pflückten Beeren und wir suchten Pilze,
der Vorrat reichte dann den Winter lang.
Ja, es gab auch so manches an Entbehrung,
den Weg zur Schule gingen wir zu Fuß,
und doch würd ich sehr gerne nochmal tauschen,
denn ich brauch nicht den heut ‘gen Überfluss.
Christina Telker
Alt-Berlin
Alt-Berlin – das Wort lässt Träume schweben,
lässt mich fliegen in die Zille Zeit.
In Gedanken sah ich Kinder spielen,
schmuddelig – nur so am Straßenrand
und der alte Zille steht von Ferne,
mit dem Zeichenblock in seiner Hand.
Auf dem Hinterhof hör ich den Leierkasten,
die Musik; sie zieht die Straße rauf.
Eine Marktfrau bietet ihre Ware,
ihren Kunden an, mit viel Radau.
An der Spree, da legen fleiß`ge Frauen;
ihre Wäsche auf der Bleiche aus.
Mit Getute und mit Räucherschwaden,
kommt ein alter Kahn die Spree herauf.
Wenn ich die Gedanken fliegen lasse,
möcht` ich nicht mehr fort von diesem Ort
und ich hege nur den einen Wunsch,
„Wäre ich einmal nur mit Zille dort.“
Vieles hat sich in der Zeit verändert,
bunte Farben leuchten in der Stadt,
und von weitem grüßt der ‚Telespargel‘,
jede Zeit so ihre Schönheit hat.
Christina Telker
An der Litfaßsäule
An unsrer Ecke steht sie;
und schaut mich täglich an.
Stets zeigt sie neue Dinge
den Interessierten an.
Um sie da spielen Kinder,
man hört ihr Lachen weit.
Sie fangen und sie necken sich
zu jeder Jahreszeit.
Am Abend wenn es dunkelt
stell`n sich die Pärchen ein.
Die Litfaßsäule kann wohl
der schönste Treffpunkt sein.
So geht’s seit hundert Jahren
von Jung und Alt begehrt.
Wird unsre Litfaßsäule
Christina Telker
Auf dem Bahnhof
Lautes schnaufen, Bremsen quietschen,
Züge fahren; enden hier.
Lautsprecher verkündet wieder,
ne Verspätung; und das mir!
Viele Sprachen sich hier finden,
jeder hat ein andres Ziel.
Koffer schleppen, eilges rennen,
oft wird einem das zuviel.
Mancher fährt einmal im Jahre,
mancher bringt nur Freunde fort,
die gekommen zu Besuch;
von `nem weit entfernten Ort.
Du jedoch musst täglich reisen,
dein Beruf verlangt es so,
du siehst kaum noch aus dem Fenster,
kennst die Landschaft sowieso.
Tröste dich, es gibt noch andre,
denen es genauso geht,
nimm ein Buch, versuch zu träumen
bis der Zug am Bahnsteig steht.
Christina Telker

